Feiern mit Nichtchristen

13 10 2011

Habe mal wieder eine meiner alten Arbeiten aus Unizeiten ausgegraben und unter Thesen veröffentlicht.

Der Weihbischhof von Erfurt Dr. Reinhard Hauke hat verschiedene liturgische Formen gefunden in denen Nichtchristen dem Christentum und seinen Sinndeutungen begegnen können. Eine Form ist das Angebot einer Lebenswendfeier für Jugendliche. In dieser Arbeit stelle ich diese Feier vor und beleuchte sie kritisch.





Eine gelungene Auftaktveranstaltung

13 07 2011

Vom 8. auf den 9. Juli fand in Mannheim die Auftaktveranstaltung des Dialogprozesses der katholischen Christen in Deutschland statt. Von 2011 bis 2015, dem 50. Jubiläum des II Vatikanischen Konzils,  will die Deutsche Bischofskonferenz mit den Katholiken in Deutschland über die brennenden Fragen, die uns alle beschäftigen sprechen und Perspektiven entwickeln, die unsere Kirche neu in der Welt verankert. Im Kern geht es darum, wie sich die Kirche gestalten soll. Hierzu haben die Bischöfe drei Jahresthemen vorgegeben, unter denen in den kommenden Jahren die verschiedenen Sorgen, Note und Wünsche diskutiert werden sollen. Es wird um Caritas (Tätigsein in der Welt), Liturgia (Feier des Glaubens) und Martyria (von Gott erzählen) gehen und wie wir uns, in diesen Feldern, aufstellen wollen.

Die Auftaktveranstaltung ist durch die Einladung der Deutschen Bischofskonferenz entstanden. Es kamen 300 Vertreter_innen aus verschiedensten Bereichen der Kirche zusammen. Dabei waren die Laienräte (PGRs, Diözesanräte, ZdK), die pastoralen Mitarbeiter_innen, Vertreter der Priester, die Geistlichen Gemeinschaften und die Orden, Theolog_innen, die Caritas und die Verbände. Jede Diözese hat Vertreter_innen entsannt, die möglichst die Vielfalt der Katholiken widerspiegelte. Von Freitagmittag bis Samstagnachmittag kamen wir im Kongresszentrum Mannheim zusammen.

Ich war als Vertreter der Jugendverbände im Erzbistum Köln dabei. Hingefahren bin ich ohne jegliche Erwartungen. Die Einladung wirkte, als seien die Unterlagen unvollständig, und es gab einen Zeitplan, der neben Gebeten und Gottesdiensten vier Arbeitseinheiten aufwies, ohne jeden Hinweis auf Inhalt oder Form zu geben. Durch lange Erfahrungen in der Kirche insbesondere mit der Amtskirche war meine Erwartung, dass wir im besten Fall viele Monologe hören und im schlechtesten Fall eine Kirchenspaltung produzieren.

Meine Erwartungen wurden aber deutlich übertroffen. Statt klassischer Konferenz oder Podiumssituation erwarteten uns Stuhlkreise mit ca. acht Stühlen. Diesen Stuhlkreisen waren wir zufällig zugeordnet, sodass bunte und vielfältige Konstellationen entstanden. Die erste Arbeitseinheit war ein Kennenlernen. Es ging darum, unsere Erwartungen und Befürchtungen für den Dialogprozess auszutauschen und festzuhalten. Darüber hinaus stellten wir uns gegenseitig unsere „Energiequellen“ vor, also Situationen und Begebenheiten, die unsere Hintergründe und Motivation darstellen. Die Ergebnisse wurden exemplarisch im Plenum vorgestellt.

Als zweiten Schritt lösten wir unsere Gesprächskreise auf und begaben uns in homogene Gruppen. Verbandler_innen arbeiten mit Verbandler_innen, Bischöfe mit Bischöfen und Gemeindevertret_innen mit Gemeindevertret_innen. Und wir beantworteten die Fragen „Worauf seit ihr stolz?“ und „ Was bedauern wir?“ Die Auswertung im Plenum zeigte noch mal die große Vielfalt an Stärken, die es in unserer Kirche gibt, aber sie machte auch deutlich, dass wir alle Schwächen und Entwicklungspotenzial haben. Hier wurde aber auch deutlich, dass die Unterschiede und das gegenseitige „Sich-nicht-verstehen“ nicht zwischen Laien und Geweihten besteht, sondern dass dies Phänomene sind, die sich in allen Gruppen auch intern zeigen.

Auf dieser Basis sind wir dann in der dritten Arbeitseinheit wieder in unsere ursprünglichen Kleingruppen gegangen und haben unsere Visionen für eine Kirche 2015 gesammelt. Diese wurden dann auf zentrale Kernvisionen verdichtet und im Plenum vorgestellt. Hierbei wurde deutlich, dass fast alle (für mich) zentralen Themen auch zur Sprache kamen. Hier ein paar sinngemäß wiedergegebene Visionen:

„Die Kirche ist partizipativ. Laien und Geweihte nehmen demokratisch legitimiert gemeinsam und partnerschaftlich Leitung wahr. Wir haben ein neues Amtsverständnis, dass Ausdruck der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern ist. Wir sind eine Kirche für die Armen. Die Kirche ist frei von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Rasse oder sexueller Orientierung. Die Kirche steht im Dienste der Menschen. Wir können unseren Glauben so ausdrücken, dass er in der Welt verstanden wird. …“

In der letzten Arbeitseinheit haben wir dann alle überlegt, was wir von der Auftaktveranstaltung mitnehmen, und wie wir weiter dazu beitragen wollen, dass der Gesprächsprozess gelingt und wir die Visionen angehen.

Die Veranstaltung war im wirklichen Sinne eine Auftakt-Veranstaltung. Ich habe den Eindruck, dass sich etwas in der Kultur des Miteinanders getan hat. Ängste, sowohl der Laien als auch der Geweihten, wurden abgebaut. Es ist eine Atmosphäre entstanden, in der sich alle trauen konnten, ihre Themen, Wünsche und Erfahrungen auszusprechen; und es wurde klar, dass alle, egal welche konkrete Vision sie mitbringen, vor allen Dingen aus und für den Glauben leben und aus Liebe zu ihrer Kirche diese verändern wollen.

Es zeigt sich aber auch, dass es hier noch nicht so richtig zur Sache ging. Es blieb an der Oberfläche, es wurden keine Entscheidungen getroffen und viele Schlagwörter müssen noch gefüllt werden. Hier muss in den nächsten Jahren intensiv gearbeitet und auch um gemeinsame oder zumindest mehrheitliche Positionen gerungen werden. Die Bischöfe haben ein Vertrauen entgegengebracht bekommen, dass sie jetzt nutzen müssen, in dem sie die vielen Themen und Visionen ernst nehmen und kontinuierlich bearbeiten. Aber auch wir dürfen nicht aufgeben und sollten weiter an unseren Visionen arbeiten und in einem intensiven Dialog mit den anderen Katholiken treten.

Zwei Wünsche habe ich für den weiteren Dialogprozess: Erstens, dass das Thema „Communio“, also die Frage, wie wir unser Miteinander in der Kirche gestalten, auf die Tagesordnung kommt. Zweitens müssen wir uns nach außen wenden und das Gespräch mit allen suchen, die außerhalb unserer Kirche sind. Hier gehört der intensive Dialog mit allen Glaubenden genauso dazu wie das Gespräch mit allen, die nicht glauben.

Mit dieser Auftaktveranstaltung ist etwas geschaffen worden, hinter das es kein zurück gibt. Wer die Ergebnisse nicht ernst nimmt, das gegenseitige Vertrauen missbraucht und die entstandene Dialogkultur verlässt, riskiert das Scheitern des Prozesses und mit ihm das Scheitern unser Kirche.





Wer die Verantwortung trägt – Von Zuwanderung und Integration

25 10 2010

„Die wollen sich doch gar nicht Integrieren!“ so oder so ähnlich wird oft auf das angebliche oder scheinbare Misslingen von Integrationsprozessen geblickt. Angestoßen durch die Debatte die in jüngster Zeit durch die Medien geistert habe ich mir Gedanken zur Integration, zum Aus- und Zuwandern sowie zur Verantwortung hierbei gemacht. Herausgekommen sind 4 Thesen und eine Schlussfolgerung.

These 1: Freizügigkeit ist zentrales Recht aller Menschen.

Jeder Mensch hat keinen Einfluss auf den Ort, die Umstände und die Gesellschaft in die er hineingeboren wird. Niemand hat sich die Umstände in denen er die Welt betritt ausgesucht, verdient oder verursacht. Damit bleibt jedem Menschen für seine Ursprungsgesellschaft nur drei Optionen „Love it, leave it or change it“. Da die Möglichkeit die eigenen Lebensumstände zu lieben sehr von den Umständen abhängen und nicht alle Umstände geändert werden können ist es notwendig, dass jeder und jede die Möglichkeit hat seine Umstände zu verlassen. Es gilt also allen Menschen das Recht auf Freizügigkeit zu gewähren.

These 2: Zuwanderung ist völlig normal.

Bei einer Radikalen Interpretation von Zuwanderung, macht jeder Mensch zumindest eine Zuwanderung durch: nämlich sein hineinwachsen in seine Umwelt nach der Geburt. Da aber wir in der Regel in eine Umwelt hineinwachsen die unsere Bedürfnisse nicht, insbesondere nicht über unsere gesamte Lebensspanne hinweg, erfüllt wandern wir in der Regel in mehrere Gesellschaften hinein. Für manche bedeutet das von einem Stadtteil in den Anderen oder vom Land in die Stadt zu ziehen, für andere bedeutet es von Kerpen nach Amsterdam oder von Afrika nach Italien zu ziehen. Es zeigt sich das Zuwanderung für uns alle normal ist auch wenn die Ausmaße interindividuell sehr unterschiedlich sind.

These 3: Jeder und Jede hat einen guten Grund Aus- und Zuzuwandern.

Niemand verlässt ohne Grund seine Lebensumstände um sich neue zu suchen. Erstaunlicher weise maßen sich viele an diese Gründe in gute und schlechte zu unterteilen. Die Sehnsucht nach einem besseren leben, näher am Arbeitsplatz zu wohnen, mit dem Partner oder der Partnerin zusammen zu wohne, in einer Großstadt leben zu wollen, in den neuen Lebensumständen mehr zu verdienen, dass alles sind gute Gründe sich dazu zu entschließen das Glück an einem neuen Ort oder in einer neuen Gesellschaft zu suchen. Außerdem gibt es unzählige Menschen für die die Wahl besteht zwischen Hunger und Auswandern, Folter und Auswandern oder Tod und Auswandern. Wenn eine Bewertung der Gründe stattfindet dann sind diese allemal die besseren gründe. Grundsätzlich sollten wir aber alle Gründe die zum Aus- und Zuwandern bewegen als gute Gründe akzeptieren.

These 4: Zuwandern ist schwer.

Jeder der schon einmal in eine ganz fremde Stadt gezogen ist kann das nachvollziehen. Es ist nie einfach seine Leben an einen neuen Ort, in eine neue Gesellschaft zu verlegen. Vieles wird zurückgelassen, FreundInnen verlassen und manches Liebgewonnene aufgegeben. Auch steckt der neue Ort voller Herausforderungen, soziale Kontakte müssen geknüpft, das Leben muss organisiert und eine Unterkunft gefunden werden  Wer seine bisherigen Lebensumstände verlässt geht einen Weg der schwer und mühsam ist, umso größer die Veränderung umso schwerer der Neuanfang.

Folgerung: Die Zuwanderungsgesellschaft ist für die Integration der Zuwandernden verantwortlich.

Wenn Auswanderung völlig normal ist und gleichzeitig ein große Herausforderung ist dann gibt es nur einen Weg, wenn wir erfolgreich und menschenwürdig mit Zuwanderung umgehen wollen: Die Zuwanderungsgesellschaft muss sich Verantwortlich fühlen. Dazu gehören verschiedene Komponenten:

  • Ein Klima des Willkommenseins schaffen: Nur wenn ich mich gewollt und willkommen fühle habe ich die Möglichkeit mich positiv mit der neuen Gemeinschaft zu identifizieren.
  • Voraussetzungen schaffen: Nur wenn zugewanderte in die Lage versetzt werden auch an der Gesellschaft teilzunehmen, tun sie es auch. Das umfasst natürlich das Angebot die Sprache und gesellschaftlichen Code zu lernen aber auch die finanzielle Ausstattung am Sozialen und Kulturellen Leben teilzunehmen.
  • Die Zuwanderung begleiten: Nur wenn personale Begegnung ermöglicht wird und niemand auf sich gestellt sich selbst durch den „Dschungel“ der Gesellschaft kämpfen muss, besteht die Chance den eigenen und Platz zu finden.
  • Volle Beteiligung ermöglichen: Nur wenn ich auch an allen Prozessen der neuen Gesellschaft teil haben kann und die Gesellschaft im selben Maße wie alle anderen Mitgestalten kann fühle ich mich für die neue Gesellschaft verantwortlich.

Natürlich kann auch unter diesen Bedingungen, aus den verschiedensten Gründen, misslingen. Aber nur so ist Integration kein springen über fast unüberwindliche Hürden sondern ein guter Prozess der ermöglicht einen eigenen Platz in der neuen Gesellschaft zu finden. Ein umdenken hin zu der Verantwortlichkeit der Zuwanderungsgesellschaft bietet den Rahmen in dem Immigration weder Aufgabe der Identität der Zuwandernden noch isolierte Parallelgesellschaften bedeutet sondern konstruktives miteinander aller an einem Ort oder in einer Gesellschaft lebenden.


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Frauen im Rechtsextremismus

24 09 2010

Habe gerade eine weitere Arbeit von mir unter Thesen veröffentlicht.

Eine Arbeit von 2007 in die sich um rechte Frauen und ihre Rolle(n) im neuen Nationalismus beschäftigt. Auch wenn ich unkritisch mit der Kategorie Frau umgehe, sind die Erkenntnisse doch aufschlussreich. Es geht um Organisationsformen, Selbstverständnis und Rollenbild sowie ihr Verhältnis zur Gewalt.


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Arbeit ist kein Wert

17 09 2010

„Wenn Arbeit was Geiles  wär,
würden die Bonzen
sie für sich behalten.“
Graffiti

Oft wird ein Loblied auf die Arbeit gesungen. Ist das richtig? „Sozial ist, was Arbeit schafft“. Lassen wir das gelten? Über Arbeit wird Menschen Bedeutung und Lebenssinn zugemessen. Greift das nicht zu kurz? Und unser größtes Problem ist die Arbeitslosigkeit. Wirklich? Nein. Arbeit ist kein Wert.

„Wir glauben zu leben,
aber in Wirklichkeit arbeiten wir nur,
um nicht zu sterben.“
Sully Prudhomme

Es gibt viele verschiedene Formen der Arbeit – doch wenn die Medien, PolitikerInnen oder ich von Arbeit sprechen, ist meist die Lohn- oder Erwerbsarbeit gemeint. Also die  Arbeit bei der ich Körperkraft, Intellekt oder Zeit gegen ein Honorar eintausche, das es mir ermöglicht, zu überleben. Mit viel Glück macht die Arbeit Spaß und ist sogar sinnvoll.

„Wenn Arbeit alles wäre,
gäbe es keinen Lebenssinn für Alte
und noch keinen für Kinder.
Norbert Blüm

Es gibt kein Bedürfnis nach Arbeit, sondern das Bedürfnis satt zu sein, ein Bedürfnis nach Sicherheit, Freundschaft, Liebe und Lebenssinn.

„Könnte ich leben,
ohne zu arbeiten,
ich wäre das glücklichste Wesen unter der Sonne.
Franziska zu Reventlow

Aufgabe unserer Gesellschaft muss es sein, diese Grundbedürfnisse zu erfüllen: eine grundsätzliche finanzielle Absicherung (z.B. ein bedingungsloses Grundeinkommen), die nötige Kompetenz, um an der Gesellschaft teilzunehmen und Herzensbildung, die befähigt dem eigenen Leben Sinn zu geben. Das alles würde uns frei machen. Frei von Lohnarbeit, frei für ein selbstbestimmtes und -gestaltetes Leben.

Ein längerer Aufsatz eines Anarchisten zum Thema: Paul Lafargue Recht auf Faulheit. Und Götz Widmann bringt das Ganze musikalisch genau auf den Punkt: Recht auf Arbeitslosigkeit.

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Erstveröffentlichung in der Transparent. Vielen Dank Lena fürs Lektorat.


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