Arbeit ist kein Wert

17 09 2010

“Wenn Arbeit was Geiles  wär,
würden die Bonzen
sie für sich behalten.”
Graffiti

Oft wird ein Loblied auf die Arbeit gesungen. Ist das richtig? „Sozial ist, was Arbeit schafft“. Lassen wir das gelten? Über Arbeit wird Menschen Bedeutung und Lebenssinn zugemessen. Greift das nicht zu kurz? Und unser größtes Problem ist die Arbeitslosigkeit. Wirklich? Nein. Arbeit ist kein Wert.

“Wir glauben zu leben,
aber in Wirklichkeit arbeiten wir nur,
um nicht zu sterben.”
Sully Prudhomme

Es gibt viele verschiedene Formen der Arbeit – doch wenn die Medien, PolitikerInnen oder ich von Arbeit sprechen, ist meist die Lohn- oder Erwerbsarbeit gemeint. Also die  Arbeit bei der ich Körperkraft, Intellekt oder Zeit gegen ein Honorar eintausche, das es mir ermöglicht, zu überleben. Mit viel Glück macht die Arbeit Spaß und ist sogar sinnvoll.

“Wenn Arbeit alles wäre,
gäbe es keinen Lebenssinn für Alte
und noch keinen für Kinder.
Norbert Blüm

Es gibt kein Bedürfnis nach Arbeit, sondern das Bedürfnis satt zu sein, ein Bedürfnis nach Sicherheit, Freundschaft, Liebe und Lebenssinn.

“Könnte ich leben,
ohne zu arbeiten,
ich wäre das glücklichste Wesen unter der Sonne.
Franziska zu Reventlow

Aufgabe unserer Gesellschaft muss es sein, diese Grundbedürfnisse zu erfüllen: eine grundsätzliche finanzielle Absicherung (z.B. ein bedingungsloses Grundeinkommen), die nötige Kompetenz, um an der Gesellschaft teilzunehmen und Herzensbildung, die befähigt dem eigenen Leben Sinn zu geben. Das alles würde uns frei machen. Frei von Lohnarbeit, frei für ein selbstbestimmtes und -gestaltetes Leben.

Ein längerer Aufsatz eines Anarchisten zum Thema: Paul Lafargue Recht auf Faulheit. Und Götz Widmann bringt das Ganze musikalisch genau auf den Punkt: Recht auf Arbeitslosigkeit.

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Erstveröffentlichung in der Transparent. Vielen Dank Lena fürs Lektorat.


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Guten Morgen liebe Sorgen oder “Ich will mir weniger Gedanken machen”

26 10 2009

Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde (…), sondern sammelt euch Schätze im Himmel (Mt 6,19–20). Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? (Mt 6,31).

Das schaff ich nie! Ich muss doch überlegen, was ich zu Essen einkaufe. Und einfach irgendwas anziehen? Geht das? Ich habe versucht, mir keine Gedanken zu machen – und dafür mehr Zeit für meine Mitmenschen zu haben. Erfolgreich war ich nicht so richtig.

Gleich am ersten Tag gegen 11 Uhr bin ich gescheitert: „Was essen wir heute Mittag?“ fragte jemand – und schon war ich mit meinen Gedanken beim Essen. Dabei wollte ich doch nicht drüber nachdenken.

Bei den Klamotten war ich erfolgreicher: Da ich vorher noch gewaschen hatte, konnte ich einfach ins Regal greifen und irgendwas anziehen. Nur einmal hab ich gefroren.

Und dann war da noch die Sache mit dem Schatz im Himmel: Klar, ehrenamtliches Engagement ist schon eine Handvoll Perlen für den Schatz. Eigentlich wollte ich neben der KjG noch in einer Suppenküche helfen, aber das hab ich nicht geschafft. Gestern Morgen habe ich auf dem Weg in die Diözesanstelle jemandem ein Frühstück spendieren können und einen kurzen Smalltalk gehalten. Ich hoffe, das zählt …

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Erstveröffentlicht in der Transparent. Vielen Dank Steffi fürs Lektorat.





Mein Camino

26 10 2009

Im Sommer bin ich von Saint Jean Pied de Port bis nach Santiago gepilgert. 780 km auf dem berühmten Jakobsweg, die erst über die Pyrenäen, dann durch das Becken von Pamplona und anschließend durch das trockene Kastilien & Leon verliefen und am Ende durch das grüne und regnerische Galizien führten. Insgesamt war ich 22 Tage unterwegs.

Camino 1Einfache Unterkünfte, begrenztes Gepäck und hohe Temperaturen haben mich genügsam gemacht. Ein simples Bett, eine Dusche oder ein schattiges Plätzchen reichten völlig aus. Auch einfaches Quellwasser wurde zum begehrten Getränk. Durch die Entfernung zur Heimat, das meditative Wandern und viele Stunden, die ich alleine unterwegs war, hatte ich die Möglichkeit mein Leben, meine Sichtweisen und meinen Glauben auf die Probe zu stellen. Hierbei erwiesen sich die eigenen Bilder nicht als falsch, sondern gewannen an Schärfe.

Die Begegnungen, die ich auf dem Camino gemacht habe, waren durch eine klare zeitliche Begrenzung auf wenige Stunden oder Tage besonders intensiv. Schnell war das Vertrauen so groß, dass über alles geredet werden konnte. Unter den Pilgerinnen und Pilgern gab es außerdem große Solidarität und Hilfsbereitschaft.

Nebenbei war mein Weg auch mit vielen Leckereien gespickt. Gemeinsames Kochen, mehrgängige Pilgermenüs, spanisches Gebäck und gute Rotweine haben den Weg und das abendliche Erholen versüßt.

Insgesamt war die Pilgerreise ein schöner, erholsamer und nachhaltiger „Urlaub“. Gerne will ich in Zukunft wieder pilgern. Dann aber lieber kürzer – und nicht mehr allein.

Camino 2

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Erstveröffentlicht in der Transparent. Vielen Dank Steffi fürs Lektorat.








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